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Was für Shoppingcenter die großen Ankermieter sind, sind im Bürosegment die großen Rechtsanwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Unternehmensberatungen. Wie und was sie mieten, bestimmt in vielen Fällen Trends und Entwicklungen auf dem Markt.

Was für Shoppingcenter die großen Ankermieter sind, sind im Bürosegment die großen Rechtsanwaltskanzleien, Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Unternehmensberatungen. Wie und was sie mieten, bestimmt in vielen Fällen Trends und Entwicklungen auf dem Markt. Zieht es die Wirtschaftsprüfer etwa alle hinaus vor die Tore der Stadt, dann steigen Nachfrage und Preise für große Büroprojekte auf der grünen Wiese, während noch vor Kurzem vor allem innerstädtische Lagen als bevorzugt galten. Wird ein neues zentrales Areal – etwa auf ehemaligen Rangierbahnhöfen oder in ehemaligen innerstädtischen Gewerbegebieten entwickelt –, dann prüfen internationale Kanzleien gern einen Umzug, obwohl noch vor Kurzem über mehrere Etagen verteilte Kanzleien in eleganten Altbauwohnungen hoch im Kurs standen.

Häufig wurden in der Vergangenheit solche Umzüge nicht nur mit Praktikabilität und Wachstum begründet, sondern ebenso mit Prestige, Repräsentation und Kundenbindung. Immerhin ist das Büro die wichtigste Visitenkarte von Unternehmen, die ausschließlich Dienstleistungen anbieten. Bürogebäude, Standort, Innenausbau und Inneneinrichtung sollen nicht nur für eine gute Arbeitsatmosphäre sorgen und neue Kollegen ansprechen, sondern spiegeln das Selbstverständnis des Unternehmens und dessen Erfolg.

Seit einiger Zeit gewinnt ein weiterer Faktor für Anmietentscheidungen an Bedeutung – der energetische Fußabdruck des Bürogebäudes. Immer mehr Kanzleien, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater prüfen, ob und inwieweit Nachhaltigkeitskriterien erfüllt sind. Das hat zwei Gründe: Auf der einen Seite ist Nachhaltigkeit inzwischen zu einer essenziellen Frage der Repräsentation und des Selbstverständnisses geworden, wobei sich dies wie eine rote Linie bis in kleinste Details fortsetz. Nicht ohne Grund findet man in Konferenzräumen zum Beispiel häufig Getränke von Marken mit hohen ökologischen und sozialen Ansprüchen.

Auf der anderen Seite ist programmatische Nachhaltigkeit mittlerweile entscheidend für die Neukundenakquise. Denn viele Unternehmen, die Kanzleien, Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater mandatieren, haben ihre internen ökologischen Ansprüche ebenfalls angehoben und müssen, um diese Ansprüche aufrechtzuerhalten, ihrerseits Aufträge an Unternehmen vergeben, die nachhaltig agieren und ihre energetischen Fußabdrücke geringhalten. So funktioniert Nachhaltigkeit im Bürosegment zunehmend nach einem Dominoeffekt, der nicht nur getrieben ist von den ökologischen Ansprüchen der Mieter selbst, sondern auch von den Anforderungen der Kunden und Mandanten der Mieter – mit der klaren Folge, dass der Trend zum nachhaltigen Büro nicht mehr nur eine Frage des Selbstverständnisses ist, sondern immer mehr Bedeutung auch für den Erfolg eines Unternehmens am Markt hat.