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Es klingt nach einem Widerspruch: Nach Corona werden mehr Menschen im Home Office bleiben. Gleichzeitig werden aber auch mehr Büroflächen benötigt. Da darf man sich schon fragen, wie das zueinander passt.

Eigentlich müsste, wenn mehr Menschen von zu Hause arbeiten, die logische Folge sein, dass die Auslastung von Büroflächen und damit auch die Nachfrage in dieser Assetklasse sinkt. Diese Schlussfolgerung ist aber nur auf den ersten Blick richtig. Schaut man sich die Zusammenhänge zwischen Home Office und der zukünftigen Nutzung von Office Space genauer an, wird deutlich, dass das Gegenteil in den kommenden Jahren eintreten wird.

Laut einer Umfrage der Universität Konstanz wünscht sich eine Mehrheit von 26 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland, zwei Tage die Woche im Home Office und drei Tage im Büro zu arbeiten. 20 Prozent würden sogar komplett von zu Hause arbeiten wollen. Dabei muss man zunächst einmal unterscheiden: Es gibt Menschen, die grundsätzlich gern von zu Hause arbeiten – ebenso wie es bestimmte Tätigkeiten gibt, die von überall aus erledigt werden können. Eine große Mehrheit sowohl der Menschen als auch der Tätigkeiten benötigen aber regelmäßig den Austausch mit Kollegen und Kunden. Davon unabhängig lässt sich aber feststellen, dass eine grundsätzliche Zunahme von Home Office zu erwarten ist. Wenn also flächendeckend jeder Arbeitnehmer zwei Tage pro Woche von zu Hause arbeitet, wäre die klare Folge, dass in der Regel knapp die Hälfte aller Büroarbeitsplätze frei verfügbar sein müssten.

Schauen wir uns in einem zweiten Schritt an, wie Büros nach Corona genutzt werden, insbesondere mit Blick auf den Quadratmeterverbrauch je Mitarbeiter. Auch hierzu gibt es Umfragen, bei denen die Tendenzen ebenfalls deutlich ausfallen. So ergibt eine aktuelle Umfrage des Bitkom, dass nur noch ein Prozent der Arbeitnehmer nach Corona in ein Großraumbüro zurückkehren möchte. Vielmehr wünschen sich 38 Prozent der Befragten, in einem Einzelbüro arbeiten zu können. Weitere 27 Prozent würden gern in einem Büro mit zwei bis vier Kollegen arbeiten. Der Trend ist eindeutig – insbesondere auch zu den vielen Umfragen der vergangenen Jahre: Das Großraumbüro ohne festen Arbeitsplatz wird in den kommenden Jahren weitaus weniger nachgefragt, wir werden eine Rückkehr zum klassischen Team- und Einzelbüro mit einem festen Arbeitsplatz erleben.

Nun legen wir beide Trends übereinander. Auf der einen Seite nimmt der Anteil an Home Office-Tagen grundsätzlich zu, auf der anderen Seite erwarten Arbeitnehmer mehr Individualraum am Arbeitsplatz. Die Folge wird also sein, dass mehr Home Office nicht mit einer sinkenden Nachfrage nach Büroflächen einhergeht, sondern dass beide Tendenzen unabhängig voneinander betrachtet werden müssen. Und dabei ist klar, dass der Pro-Kopf-Verbrauch an Arbeitsplatz in den kommenden Jahren deutlich steigen wird.