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Urban-Mining-Design, die Stadt als Goldgrube

Urban-Mining-Design, die Stadt als Goldgrube

Urban-Mining-Design, unsere Metropolen als Ressourcenquelle?

Die bisherige lineare Durchlaufwirtschaft stößt immer häufiger an ihre Grenzen, auch und vor allem im Bausektor. Das zeigt sich jetzt schon. Der aktuelle Rohstoffmangel wirkt sich bereits heute auf Projekte und Neubauten aus, Baupreise steigen und eine Trendumkehr ist nicht erkennbar. Dies ist auch eine logische Konsequenz, denn der Rohstoffmangel kommt nicht von ungefähr: Auf der Erde sind die Ressourcen endlich. Wie also lässt sich der stetig steigende Bedarf decken?

Der Bausektor zählt nicht nur zu den größten Schadstoffemittenten, er belastet zudem unsere Atmosphäre und fördert den Klimawandel. Zugleich sind die Ressourcen, derer sich die Branche bedient, endlich. Sand und Kies fehlen für die Produktion von Beton, Holz wächst nicht schnell genug für einen flächendeckenden Umstieg auf diesen Baustoff. Gleichwohl steigt der Bedarf an modernen Neubauten – und nicht nur in Deutschland, wo jährlich 400.00 Wohnungen gebaut werden sollen. Auch in anderen Teilen der Welt, besonders in bevölkerungsreichen Regionen, die noch nicht industriell bauen, wird innerhalb der nächsten Jahre eine steil ansteigende Nachfrage nach Baumaterialien bereits bestehende Trends verschärfen.

Das Problem der Ressourcenknappheit ist allerdings zumindest in Teilen selbst verschuldet. Viel zu oft folgt der Lebenszyklus eines Gebäudes dem bekannten – linearen – Schema : Nach der Planung erfolgt der Bau eines Objekts, sodann beginnt die Nutzungsphase. Im Anschluss werden Gebäude entweder revitalisiert und umfunktioniert oder leider viel zu häufig abgerissen. Oftmals ist die Substanz nicht mehr tragfähig oder für weitere Nutzungsarten nicht flexibel genug. Die Folge: Gebäudeabriss. Und wieder steht die Branche vor einem Schutthaufen.
Genau dort setzt das Urban-Mining an – in der gezielten Nutzung der vielfältigen wertvollen Ressourcen in den Städten. Die konventionelle Gebäudeerrichtung geht dort jedoch mit zahlreichen Problemen einher. Beispielsweise sind viele Baustoffe miteinander verklebt. Dies verhindert etwa eine sortenreine Trennung recyclingfähiger Styropordämmplatten – der verklebte Beton ist im Übrigen auch ein Wegwerfprodukt und nicht weiter nützlich. Ein Ansatz zur erleichterten Sanierung in diesem konkreten Fall wäre es, die Fassade lediglich anzuschrauben. Zentral hierbei ist jedoch, flächendeckend so zu bauen, dass Gebäude nach der Nutzung als Ressourcen-Pool für zukünftige Projekte dienen.

Warum wir also weiter den Planeten ausbeuten? Die Problematik liegt, wie so häufig, in festgefahrenen Strukturen, mangelndem Innovationsdenken sowie fehlender Förderinitiative auf politischer Ebene. Obendrein verhindern gesetzliche Vorgaben noch immer den Einsatz von Recycling-Beton und anderen ökologischen Baustoffen. Zugleich lässt die Baubranche die erforderlichen Impulse vermissen, innovative Entwicklungen voranzubringen, überwiegend aus wirtschaftlichen Gründen. An dieser Stelle wäre die Politik gefordert, um in Form von Förderprogrammen Unterstützung zu bieten. Der dringend erforderliche Systemwandel lässt sich so jedoch nicht herbeiführen.